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Gebäude mit Geschichte: Das Knoblauchhaus im Nikolaiviertel

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Unser heutiger Ausflug geht nach Mitte in das schöne Nikolaiviertel. Hier steht das Knoblauchhaus – mit dem gleichnamigen Gewürz hat es nichts zu tun, vielmehr geht der Name auf den Erbauer Johann Christian Knoblauch zurück, der das an dieser Stelle befindliche, baufällige Vorläuferhaus abreißen ließ und 1759 im Schatten der Nikolaikirche das heutige freistehende, dreistöckige Wohnhaus im spätbarocken Stil errichten ließ. Gut fünf Jahrzehnte später gab es erst außen, dann innen ein klassizistisches „Update“.

 

170 Jahre Familienbesitz

Johann Knoblauch war Nadler, d.h. er fertigte allerhand feineres Metallwerkzeug: Näh-, Strick- und Schusternadeln, aber auch Siebe und Fenstergitter. Der einträglichste Auftraggeber war jedoch das Militär: für Orden und dergleichen brauchte man ständig Ketten, Haken und Ösen. Die guten Verbindungen zum Militär nutzten auch Knoblauchs Nachkommen, die das Geschäft auf Seidenbandhandel erweiterten. So lieferte die Firma z.B. 1813 die Seidenbänder für das Eiserne Kreuz.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Familie Knoblauch Teil der Berliner High Society war und so verwundert es nicht, dass auch die damalige Prominenz wie Wilhelm von Humboldt und Karl Friedrich Schinkel neben vielen anderen Künstlern und Schriftstellern gern und oft gesehene Gäste im Hause Knoblauch waren.

Das Knoblauchhaus wurde 1929 aus dem Familienbesitz an die Stadt Berlin verkauft.

 

Wenn Alltag zur Kunst wird

Als eins der wenigen Häuser des Nikolaiviertels wurde das Knoblauchhaus im zweiten Weltkrieg nicht zerstört und fiel auch keiner DDR-Raumplanung zum Opfer. Zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 wurde das Knoblauchhaus umfassend saniert und renoviert. Nun befindet sich im ersten Stock die Dauerausstellung der Stiftung Stadtmuseum Berlin mit dem Schwerpunkt „Berliner Wohnkultur des Biedermeier“. Zu diesem Zwecke trugen die ehemaligen Besitzer Hausrat und Möbel zusammen, die nun recht authentisch den Alltag einer bürgerlichen Familie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen. Im zweiten Stock wird das Thema mit weiteren Objekten noch vertieft.

 

1708-01-02_2016-06_Knoblauchhaus_Berlin_03_kleinFazit

Anschaulicher als mit dieser Fülle von kleinen und großen Gegenständen des Alltags, vom imposanten und repräsentativen Sekretär über Geschirr und Küchengerät bis hin zu Kinderspielzeug, Porzellan, Bildern und Büchern kann man den Alltag im Biedermeier kaum vermitteln. Der Eintritt ist frei (Spenden aber gerne gesehen) und das Museumspersonal freut sich, wenn es über die vielen kleinen und großen Details und Geschichten des Hauses berichten darf. So erfährt man manch Amüsantes und Erhellendes. Oder wissen Sie, warum eins der Zimmer ein Fenster ins Treppenhaus hat? Sie erfahren es im Knoblauchhaus!

 

 

 

Quellen:

https://www.stadtmuseum.de/knoblauchhaus https://de.wikipedia.org/wiki/Knoblauchhaus https://www.museumsportal-berlin.de/de/museen/knoblauchhaus-stadtmuseum-berlin/

https://de.wikipedia.org/wiki/Knoblauchhaus
https://www.museumsportal-berlin.de/de/museen/knoblauchhaus-stadtmuseum-berlin/

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