IVD Berlin-Brandenburg e.V.

Gebäude mit Geschichte – Schloss Glienicke in Wannsee

Die Glienicker Brücke ist vielen Menschen ein Begriff: sie verbindet Berlin mit Potsdam und gelangte durch einen spektakulären Agentenaustausch zu weitreichender Berühmtheit. Die Brücke wurde nach dem Gut Glienicke benannt, an dessen Stelle heute das Schloss Glienicke steht, um das es heute gehen soll.

Der wechselvoller Anfang und beeindruckende Preisentwicklungen

1753 wurde von Arzt und Hofrat Johann Jakob Mirow ein Gutshaus errichtet, das in den zeitgenössischen Dokumenten bereits großspurig als „Schloss“ bezeichnet wurde. Doch bereits 1764 wurde der Gutshof für 6070 Reichstaler zwangsversteigert. Die Gutsanlage wechselte mehrfach den Besitzer und wurde schließlich 1796 von Oberstallmeister Carl Heinrich August Graf von Lindenau für 23.000 Reichstaler erworben.
In den folgenden 20 Jahren des Umbaus zogen Ästhetik und Luxus auf dem Gelände ein, was sich u.a. durch verschiedene Neubauten zeigte. 1812 wechselte das Gelände erneut den Besitzer, diesmal für 20.000 Reichstaler an Rudolph Rosentreter, um dann 1814 wiederum an Fürst Hardenberg für 25.900 Reichstaler verkauft zu werden. Ruhe kehrte keineswegs ein: nach dem Tod Hardenbergs wurde das zwischenzeitlich weiter ausgeschmückte Gelände für 50.000 Reichstaler an Prinz Carl von Preußen verkauft.

Architekt Karl Friedrich Schinkel und Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné, der bereits als Geselle in der Anlage gearbeitet hatte setzten nun in enger Zusammenarbeit mit Prinz Carl von Preußen die Pläne um, an denen auch sein Bruder Friedrich Wilhelm mitgearbeitet hat. Prinz Carl starb 1881, sein Sohn Friedrich Karl nur 2 Jahre später. Sein anderer Sohn Friedrich Leopold zeigte nur wenig Interesse an dem Schloss und es verwahrloste zunehmend, einiges an Inventar wurde in dieser Zeit verkauft. Friedrich Leopold starb 1931, sein 12-jähriger Sohn trat das Erbe an, sein dritter Sohn Friedrich Leopold jun. bekam jedoch lebenslanges Wohnrecht und zog mit seinem Jugendfreund bis zum erneuten Verkauf dort ein.
Über den Umweg der Dresdner Bank gingen bereits 1935 Teile der Anlage an die Stadt Berlin, in Gänze dann im Juli 1939. Als nächstes zog Stadtpräsident und Oberbürgermeister Julius Lippert ein, aber bereits 1942 wurde das Schloss zu einem Lazarett umfunktioniert. In der russischen Besatzung wurde es dann zu einem Offizierskasino – die Pferdeställe befanden sich im ersten Stock. Die klamme Stadt Berlin übergab den verwahrlosten Schlosskomplex an die Sport-Toto GmbH, die es als Sporthotel nutzte. 1976-1986 diente es als Schul- und Übernachtungsgebäude der Heimvolkshochschule. Seit 1987 schließlich wird das Gebäude als Schlossmuseum genutzt.

Von der Nutzanlage zum Schloss und zurück

Die jahrelangen Hauptumbaumaßnahmen fanden in der Zeit Prinz Carls statt. Anregungen fanden Schinkel und Lenné z.B. in Stichwerken griechisch-römischer Bauten. Als dann in den 1950er Jahren der Umbau zum Sportlerwohnheim erfolgte, wurden – ganz im Zeitgeist – Parkettböden, Wandputze, Fenster- und Türrahmen zum Teil entfernt und gingen unwiederbringlich verloren.
Auch wenn aufgrund mangelnder Dokumentation so manches Mobiliar dem Stil Schinkels nur nachempfunden ist – die zahlreichen Räume wirken stimmig und beeindruckend. Aber auch die landschaftlichen Anlagen, der „Pleasureground“ laden zu einem gemütlichen Spaziergang an einem sonnigen Wochenende ein.

Einziger Wermutstropfen: Leider ist das Schloss nicht barrierefrei – auf Rollstuhlfahrende ist man nicht eingerichtet und Kinderwagen sind verboten.

Quelle:
http://www.berlin.de/museum/3109142-2926344-schloss-und-landschaftsgarten-glienicke.html
https://www.museumsportal-berlin.de/de/museen/schloss-glienicke-stiftung-preuische-schlosser-und-garten-berlin-brandenburg/
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Glienicke
https://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-glienicke/

 

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