IVD Berlin-Brandenburg e.V.

Berlin – die verkappte Eigentümerstadt

forsaErstaunliches brachte die Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen, kurz: Forsa, kürzlich im AUftrag des IVD Berlin-Brandenburg an die Oberfläche: Berliner*innen an und für sich würden bedeutend lieber in ihren eigenen vier Wänden wohnen, als das bisher bekannt und vermutet wurde.

Wie wollen Berliner*innen wohnen?

Die repräsentative Forsa-Umfrage ergab, dass – wenn Geld keine Rolle spielte – ungefähr die Hälfte aller Berliner*innen am liebsten im eigenen Haus wohnen würde, rund ein Viertel würde eine Eigentumswohnung bevorzugen. Nur ein knappes Fünftel der Befragten würde in einer Mietwohnung wohnen wollen. Was die Ausstattung angeht, verändern sich die Wünsche natürlich etwas mit den Jahren. Mit zunehmendem Alter werden Aufzug und eigener Parkplatz wichtiger, insgesamt finden sich aber deutliche Mehrheiten im Bereich über 75% für Balkon/Terasse und eine gute Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten, während Einbauküchen als nicht ganz so wichtig erachtet werden.

Und wie wollen die Berliner*innen auf keinen Fall wohnen?

Es ist die Gretchenfrage: „urbaner Kiez oder Speckgürtel?“, die die Berliner*innen eindeutig beantworten: 44% möchte gerne in einem gewachsenen Berliner Kiez wohnen. Immerhin 24% bevorzugen den sogenannten „Speckgürtel“ mit dörflicher Atmosphäre im Grünen. Deutliches Ergebnis jedoch: In einer der geplanten neuen Großsiedlungen in den Berliner Randbezirken möchten nur 10% der befragen Berliner*innen wohnen. Das ist ein deutliches Signal an die Politik!

Wird dort in Massen gebaut, wo keiner hinwill, wird die Folge eine „Gettoisierung“ sein, eine gesunde soziale Durchmischung wird sich dort nicht etablieren. Wie sehr so etwas schief gehen kann, kann man sich im Nachbarland Frankreich mit seinen Banlieus anschauen, in denen das Gemisch aus Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Verbrechen und Gewalt besonders Jugendlichen einen Aufstieg aus diesen Verhältnissen nahezu unmöglich macht, was zu immer weiter vererbter Armut führt. Unerschrockene können auch mal den „Kölnberg“ als abschreckendes Beispiel aus Deutschland googlen.

Der IVD hat sich daher mit dem dringenden Appell an die Politik gewandt, ihre Bemühungen eher in innerstädtische Nachverdichtung zu lenken oder beispielsweise den Dachgeschossausbau zu fördern.

Die Sache mit dem Geld

Nun ist das Leben selten ein Wunschkonzert und Geld spielt eine Rolle beim Eigentumserwerb. In Zahlen dargestellt bedeutet es: Knapp die Hälfte der befragten Mieter hat schon einmal konkret darüber nachgedacht, Eigentum zu erwerben. Die andere Hälfte träumt nicht einmal – und sie geben zu 54% an, dass finanzielle Gründe der Grund dafür sind, dass sie noch nicht über den Erwerb von Eigentum nachgedacht haben.
Es dürfte eher weniger überraschen, dass im Wesentlichen Mieter unter 45 mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von über 3000 Euro diejenigen sind, die überdurchschnittlich oft über Eigentumserwerb nachdenken. Fraglich ist aber auch, ob sich alle Schwellenhaushalte und  Durchschnittsverdiener in der aktuellen Niedrigzinsphase ihrer Möglichkeiten bewusst sind. Politiker regulieren lieber Mieten anstatt ihren Wählern vorzurechnen, wie die aktuelle Belastung bei Zins und hinreichender Tilgung gegenüber der Mietbelastung aussieht

Wie kommt die Immobilie nun zum Käufer?

Die überwiegende Mehrheit der interessierten Berliner*innen guckt erst einmal ins Internet: rund 63% haben dies bereits getan, während die klassische Immobilienanzeige in einer Tageszeitung nur von 38% angeführt wurde. Im nächsten Schritt haben 27% der kaufinteressierten Mieter bereits einmal eine Immobilie besichtigt, 17% mit ihrer Bank darüber gesprochen, jedoch nur 7% haben einen Makler zur Suche kontaktiert und befragt.

Warum kaufen?

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 72% der Berliner*innen sind der Meinung, dass Wohneigentum für die persönliche Altersvorsorge staatlich gefördert und unterstützt werden sollte. In allen bevölkerungs- und Wählergruppen teilt eine Mehrheit diese Einschätzung. Man könnte auf die Idee kommen, dass man mit der Grunderwerbssteuer hier vielleicht einen Hebel in der Hand hat? Jedenfalls befürworten 56% der Befragten ein Absenken der Grunderwerbssteuer, was der IVD schon seit Jahren fordert.

Fazit

Man würde gerne, aber man tut es nicht. Hier nämlich die krasseste Zahl der Forsa-Erhebung: Gut 75% der Berliner*innen würden gerne im eigenen Haus oder einer Eigentumswohnung wohnen.
Und jetzt schätzen Sie, wie viele Berliner*innen tatsächlich in den eigenen vier Wänden wohnen in der Mieterhauptstadt Deutschlands. Es sind keine 20%! Das ist ein ernüchterndes Ergebnis und der IVD arbeitet daran, dass sich diese Zustände bald bessern.

Ansprechpartner

Nils Werner

Knesebeckstr. 59-61
10719 Berlin

Telefon: +49 (0)30 / 89 73 53 64
Fax: +49 (0)30 / 89 73 53 68

E-Mail: werner@ivd.berlin

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