IVD Berlin-Brandenburg e.V.

Gebäude mit Geschichte: Beelitzer Heilstätten (Brandenburg)

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Die Beelitzer Heilstätten im Landkreis Potsdam-Mittelmark dürfte eins der beliebtesten Fotomotive der “Lost Places” Szene sein – nun erwachen sie ganz langsam und behutsam aus ihrem Dornröschenschlaf…

 

Geschichte

Ab 1898 erbaut, dienten die Beelitz-Heilstätten als Lungenheilstätten – die Tuberkulose hatte das nahgelegene Berlin fest im Griff, bald jeder dritte Todesfall ging Ende des 19. Jahrhunderts auf die tückische Krankheit zurück. Der Bau der Anlage wurde in drei Phasen bis 1930 abgeschlossen und umfasste schließlich einen ganzen Klinikkomplex mit 1200 Betten, eigenen Waschhäusern, eigenem Heizhaus (heute ein technisches Denkmal), Badehaus und Klinik.

In den beiden Weltkriegen wurden die Beelitz-Heilstätten vom Militär als Lazarett und Sanatorium gebraucht. Im zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude schwer beschädigt, die rote Armee übernahm das Gelände und bis 1994 diente es als größtes Militärhospital der sowjetischen/russischen Armee im Ausland.

Nach dem Abzug des russischen Militärs 1994 lag das Gelände lange brach. Die Einrichtungen verfielen und blieben sich selbst überlassen. Es wurden illegale Partys gefeiert und Hobbyfotografen aus aller Welt dokumentierten den schaurig-schönen Verfall der ehemaligen Lungenklinik. Auch verschiedenen (Hollywood-) Filmen diente das verwunschen anmutende Gelände als Kulisse, u.a. für „Operation Walküre“ mit Tom Cruise.

 

Gegenwart

Investoren kamen und gingen, aber im Zuge des Immobilienbooms und dem allgemeinen Zeitgeist des Wunsches nach Erhalt von historischen Gebäuden kommt seit einiger Zeit Bewegung in die Sache. Seit 2016 wird fleißig saniert und gebaut und eine gesunde Mischung neuer Bewohner adressiert: im historischen Pavillon entstanden Eigentumswohnungen und im historischen Küchengebäude Mietwohnungen – jeweils in verschiedenen Größen, so dass die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen der digital Kreativschaffenden berücksichtigt wurden. Im nächsten Schritt werden um die historischen Gebäude herum Einzel-, Doppel- und Reihenhäuser gebaut, die in ihrer Architektur an die historischen Gebäude angepasst sein werden und sich eher an Familien richten.

Die Attraktivität des Standortes wird durch „sanften Tourismus“ noch gestärkt: seit 2015 gibt es einen 1km langen „Baumwipfelpfad“, auf dem man das Gebiet auf der Höhe der umgebenden Baumkronen erkunden kann. Führungen durch die Heilstätten können gleich mitgebucht werden.

Die Beelitz-Heilstätten sind ein gelungenes Beispiel für eine behutsame Sanierung, die sowohl den Erhalt historischer Bausubstanz sowie moderne Bedürfnisse im Auge behält!

Quellen:

http://beelitzheilstaetten.de http://www.refugium-beelitz.de https://de.wikipedia.org/wiki/Beelitz-Heilst%C3%A4tten http://www.baumundzeit.de/baumkronen-und-zeitreisepfad.html https://www.travelbook.de/orte/lost-places/beelitz-heilstaetten-deutschlands-gruseligstes-krankenhaus

 Bildquelle: Wikipedia