IVD Berlin-Brandenburg e.V.

Gebäude mit Geschichte: Hotel Bogota in Charlottenburg

Schon öfter haben wir in unserer Rubrik Gebäude mit Geschichte festgestellt, dass die Bedeutung und Nutzung von Gebäuden im Laufe der Jahre und Jahrzehnte wechseln kann. Im alten Westen Berlins ging es der Institution „Hotel Bogota“ so. Eine kleine Erinnerung an das 2013 geschlossene Hotel nahe des Ku‘damms, das doch sehr viel mehr als ein Hotel war.

 

Die Geschichte

Das Gründerzeithaus in der Schlüterstr. 45 stammt aus dem Jahre 1911/1912 und war zunächst ein Wohnhaus für insgesamt 10 Parteien, erbaut im Auftrag des Unternehmers Robert Leibbrand. Er selbst wohnte mit seiner Familie im Penthouse in den oberen beiden Etagen – eine unübliche und recht moderne Entscheidung, denn zumeist zogen Hausbesitzer in die sogenannte Beletage, den ersten Stock.

Schnell entwickelte sich das Haus zum Treffpunkt der Reichen und Schönen – so wohnte u.A. der Unternehmer Skaller in den 1920er Jahren hier und veranstaltete rauschende Feste, bei denen auch Stars wie Benny Goodman auftraten. Eine der berühmtesten Bewohnerinnen des Hauses dürfte die 1900 geborene Modefotografin Else-Ernestine Neuländer sein, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Yva. Sie wohnte und arbeitete in den oberen beiden Etagen und bildete dort einen gewissen Helmut Newton aus, der später einer der berühmtesten und bestbezahltesten Mode-, Werbe- und Aktfotografen werden sollte. Als Jüdin betraf Yva das Berufsverbot der Nazis im Jahre 1938. Sie musste ihr Atelier schließen und starb vermutlich im Vernichtungslager Sobibor irgendwo in den Jahren zwischen 1942-1944.

Obwohl bereits seit 1939 vorsichtshalber kein Eigentümer mehr verzeichnet ist, sondern mit „ungenannt“ angegeben wird, wird das Haus 1942 enteignet. Nun zieht die sog. „Reichskulturkammer“ mit dem Leiter Hans Hinkel ein. Im späteren Frühstücksraum des Hotels war zwischen 1942 und 1945 der Vorführsaal der Filmkammer eingerichtet, in der Hinkel, Goebbels und gelegentlich auch Hitler selbst die Ergebnisse ihrer „Kulturpolitik“ begutachten.

Nach dem Krieg stellt man fest, dass in ebendieser „Reichskulturkammer“ noch viele Personalakten erhalten geblieben sind und so richten die Briten eine Entnazifizierungsstelle im dritten Stockwerk ein.

 

Das Hotel

Nach Rückübertragung an die Erben des enteigneten Besitzers wurde das Gebäude an den DGB verkauft und als Bildungsstätte genutzt. Im Jahre 1964 schließlich, nach erneutem Verkauf und Umbau, wurden im Gebäude zunächst vier Hotels eingerichtet. In den oberen zwei Etagen betrieb Heinz Rewald das „Hotel Bogota“. Heinz Rewald war in den 1930er Jahren auf der Flucht vor den Nazis nach Bogota emigriert und brachte bei seiner Rückkehr neben dem Hotelnamen Möbel und Dekorationsgegenstände mit. 1976 schließlich übernahm die Familie Rissman das Hotel, das bis zur Schließung 2013 auch in der Familie verblieb. Neben dem Hotelbetrieb wurde es auch wieder ein Ort von kulturellen Aktivitäten: Lesungen und Fotoausstellungen fanden wieder statt. Als unter Kulturschaffenden die Kunde kreiste, dass das Hotel aufgrund von Mietschulden schließen muss, setzte eine große Welle der Hilfsbereitschaft ein: es wurden Unterschriften gesammelt, Fotografien verkauft und der Erlös gespendet, aber die Mühe war umsonst, Mietschulden in sechsstelliger Höhe waren nicht aufzufangen.

 

Der Neuanfang

Gut 15 Monate dauerte der aufwändige Umbau: 3000 Tonnen Schutt seien entsorgt worden, die denkmalgeschützten Fenster, aber auch der beschädigte Stuck, der unter zum Teil abgehängten Decken hervorkam, behutsam restauriert worden. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf rund 12 Millionen Euro. Da braucht es nun solvente Gewerbetreibende – die aber gerne in dieses Geschichte atmende Gebäude kamen. Am bekanntesten dürfte wohl Modezar Wolfgang Joop sein, der mit 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seine neue Geschäftsadresse für sein Label Wunderkind bezog. Weitere bekannte Namen sind Buffi, die italienisches Küchendesign verkaufen und 14oz, die edle Jeans und Schuhe vertreiben, aber auch die Immobiliengesellschaft David Borck, die in der dritten Etage repräsentative Räume bezogen haben.

Unten in den Links ist auch die kleine Dokumentation von Ilja Richter aufgeführt, der die letzten Momente des Hotels Bogota eingefangen hat. Wehmut inklusive.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCterstra%C3%9Fe_45_(Berlin)
http://www.hotel-bogota.de/geschichte/
http://www.deutschlandfunkkultur.de/hotel-bogota-die-bewegende-geschichte-einer-herberge.1001.de.html?dram:article_id=269305
https://www.morgenpost.de/bezirke/charlottenburg-wilmersdorf/article121770347/Mit-dem-Hotel-Bogota-schliesst-eine-Berliner-Legende.html
https://www.berliner-kurier.de/berlin/kiez---stadt/hotel-bogota-die-legende-lebt-23419192
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/schlueterstrasse-45-die-kreative-geschichte-inspiriert/19826326.html
https://vimeo.com/77915319

Bildquelle: Wikipedia

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