IVD Berlin-Brandenburg e.V.
31. März 2017

Gebäude mit Geschichte: die Hufeisensiedlung in Britz

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Wer sich mit Architektur in Berlin beschäftigt – und/oder der kreativen Phase Berlins vor dem zweiten Weltkrieg – kommt um den Namen „Bruno Taut“ nicht herum. Zeit also, sich mit einem seiner Werke in unserer Reihe zu beschäftigen.

Sozialer Wohnungsbau – (k)eine neue Idee

HufeisensiedlungDurch die Gebietsverluste Deutschlands und den daraus folgenden Flüchtlingsströmen nach dem ersten Weltkrieg sowie anhaltend hoher Arbeitslosigkeit war günstiger Wohnraum knapp und nötig. 1925 fehlten in Berlin über 100.000 Wohnungen – die damals praktisch ausschließlich private Bautätigkeit konnte den Bedarf überhaupt nicht decken (hört sich das irgendwie bekannt an?) – und das, obwohl eine 1-Zimmer-Wohnung erst ab 5 Personen als „überbelegt“ galt.

Aus dieser Not heraus entstand die Idee des sozialen Wohnungsbaus, bei dem ebenso günstiger wie hochwertiger Wohnraum geschaffen werden sollte – aber nicht auf „der grünen Wiese“, sondern verkehrsgünstig angeschlossen. Ab 1921 formten sich also mehrere Baugenossenschaften, die diese sozialreformerischen Ansätze auf nichtkommerzieller Grundlage umzusetzen versuchten: ab 1925 entstanden in Berlin 17 Großsiedlungen, die eine hohe Wohndichte, aber auch die geforderten besseren Wohnbedingungen aufwiesen. Die Hufeisensiedlung ist ein erstes Beispiel für diese Bemühungen und wurde neben 5 weiteren dieser Siedlungen im Jahre 2008 aus diesem Grund zum UNESCO-Welterbe ernannt.

Form trifft Funktion

Die neuen sozialen Wohnbauten sollten viele Grün- und Freibereiche aufweisen, denn man hatte den Zusammenhang zwischen Gesundheit und der qualvollen Enge der Stadtwohnung erkannt – dennoch sollten auch viele Menschen untergebracht werden. Im Falle der Hufeisensiedlung wurde diese architektonische Herausforderung sehr charmant gelöst: mit dem „Hufeisen“ wurde kurzerhand ein aus der Eiszeit übriggebliebener Pfuhl (Grundwassersenke) umschlossen. Nicht weniger als 2000 Wohnungen sollten in der Siedlung auf dem Platz des ehemaligen Rittergut Britz Platz finden.
Im Gegensatz zum Gründer der Bauhaus-Bewegung Gropius, der jede Form von Ornamenten getreu dem Motto „Form follows function“ ablehnte, waren Bruno Taut kleine Unregelmäßigkeiten wichtig, die er z.B. durch in der Zeile leicht vor- und zurückspringende Häusergruppen, aber auch vor allem durch Farbigkeit ausdrückte. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist auch die sog. „Tuschkastensiedlung“, die ebenfalls zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde.

Tautes Heim

Ihr Berlin-Besuch ist kunstinteressiert? Seit 2012 bietet die Hufeisensiedlung ein originalgerechtes Ferienhaus im Stil der 1920er Jahre – liebevoll mit bauzeitlichen Originalen und Nachbauten möbliert und hergerichtet, so dass man die gestalterischen Vorstellungen Bruno Tauts quasi am konkreten Objekt erleben kann. Das Haus, dessen Adresse man auch erst im Verlaufe der Buchung erhält, kann nur gemietet und nicht besichtigt werden.
Für den kleinen Ausflug empfiehlt sich nach einem Spaziergang durch die Siedlung das kleine Café Im zentralen rechten Kopfbau des Hufeisens mit angeschlossener Ausstellung – in Anbetracht der Wichtigkeit Bruno Tauts für die Berliner Architektur verblüfft jedoch, dass es kein ihm explizit gewidmetes Museum gibt.

 

Quellen:

https://www.hufeisensiedlung-berlin.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Hufeisensiedlung

http://www.hufeisensiedlung.info/

https://www.berlin.de/sehenswuerdigkeiten/3560991-3558930-hufeisensiedlung-britz.html

http://www.tautes-heim.de

http://www.hufeisensiedlung.info/foerderverein/projekte/cafe-und-ausstellung-in-der-info-station.html