IVD Berlin-Brandenburg e.V.
22. November 2017

Frauen in der Immobilienbranche

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Frauen in Spitzenpositionen gelten schnell als “Quotenfrauen” und sehen sich nicht selten dem Druck ausgesetzt, besser sein zu müssen als Männer in vergleichbaren Positionen. Wie sieht es in der Immobilienbranche aus?

 

Quote ja oder nein?

Erika Werres ist Leiterin Planen und Entwicklung bei der WvM Immobilien und Projektentwicklung Köln und hält nichts von einer Frauenquote. Ihr Ansatz wäre ein anderer, nämlich der, dass die Bezahlung in vergleichbaren Positionen angeglichen wird, denn nur dann würden mehr Männer öfter Teilzeit nachfragen oder mehr Erziehungsauszeiten nehmen. Dank des Gender Pay Gaps würden aber oft die Frauen automatisch zu Hause bleiben.

Headhunter in der Immobilienbranche beziffern des Gender Pay Gap auf 5-15% auf vergleichbaren Positionen. Kathrin von Hardenberg, Gründerin und Geschäftsführerin von Indigo Headhunters aus Frankfurt/ Main erklärt es dadurch, dass männliche Bewerber den Spielraum bei Gehaltsverhandlungen entschlossener ausnutzen als Bewerberinnen. Dass dies natürlich auch mit jahrzehntelanger Sozialisation zu tun hat, fällt ihr dabei scheinbar nicht auf.

Gleichstellung regelt sich eben nicht von alleine, wie Tobias Just, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Irebs-Akademie weiß. „Wir sind mit Sicherheit noch nicht da, wo wir sein sollten: dass diskriminierungsfrei allein auf Erfolgsbeiträge, Qualifikation und Kompetenz geachtet wird.“, so Just, und weiter: „Solange das Frausein ein Thema ist, so lange werden Frauen denken, dass sie eine Extrameile gehen müssen. Und es reicht ja schon, dass sie das denken“.

Jovita Galster-Döring, Vorstandsmitglied des Vereins Frauen in der Immobilienwirtschaft wird deutlich: „Von mir bekommen Sie ein klares Ja für die Frauenquote. Erst dann wird sich etwas in den Vorstandsetagen ändern.“

 

Gesucht: gesellschaftlicher Wandel

Auch in Unternehmen mit vergleichsweise ausgeglichenem Geschlechterverhältnis in der Gesamtbelegschaft sind Frauen umso weniger repräsentiert, je weiter es nach oben auf der Karriereleiter geht. Frauen werden – oft unbewusst – in ihrer Karriere strukturell benachteiligt: bei gleicher Leistung werden sie schlechter beurteilt und seltener für Führungspositionen vorgeschlagen. Aufgrund fehlender Vorbilder wird ihnen oft weniger zugetraut – oder sie selbst trauen sich weniger zu.

Ein weiteres Problem ist die Familienplanung. Männliche Bewerber müssen kaum Angst vor einer Doppelbelastung haben. Kaum einer nimmt mehr als 2 Monate Elternzeit und noch weniger gehen in Teilzeit. Der Löwenanteil der Care Work bleibt immer noch an den Frauen hängen. Ohne Mithilfe der Arbeitgeber wird also eine flächendeckende Chancengleichheit für Frauen auch in der Immobilienbranche nur ein frommer Wunsch bleiben. Unternehmen jedoch, die einen Wandel aktiv mitgestalten, profitieren auf verschiedenen Ebenen erheblich davon, wie u.a. die Studie „Vielfalt siegt“ von McKinsey aufzeigt.

 

Netzwerken, netzwerken, netzwerken

Frauen sollten sich besser untereinander vernetzen, so lautet ein allgemeiner Rat. Ein gutes Datum dafür ist der 4./5. Dezember, wenn der 3. Jahreskongress Immobilien-Frauen in Berlin stattfindet. Veranstaltet wird dieser von Heuer Dialog, den Link finden Sie untenstehend.

 

Quellen:

http://www.immobilien-zeitung.de/143595/zwischen-quotenfrau-und-superwoman

https://www.heuer-dialog.de/veranstaltungen/10847/3-jahreskongress-immobilien-frauen

https://www.mckinsey.de/2011-11-21/vielfalt-siegt

Bildquelle: Pixabay