IVD Berlin-Brandenburg e.V.

Wohnen im Alter – Folge 2: Barrierefreiheit

BarrierefreiheitIn einer Kurzserie wollen wir uns mit dem Thema “Wohnen im Alter” beschäftigen. In dieser zweiten Folge soll es darum gehen, wie man eine Wohnung barrierefrei gestalten kann.

Bedürfnisse von Menschen mit eingeschränkter Mobilität
Uns allen ist bewusst, dass im Alter der Alltag immer schwieriger wird – selbst wenige Treppenstufen werden zu fast unüberwindbaren Hindernissen, Schwellen zu Stolperfallen und die morgendliche Dusche wird zum gefährlichen Hochleistungssport. Ein sicheres Wohnen ist dann nicht mehr gewährleistet – besonders gefährlich wird es, wenn die Person alleine lebt und für unbestimmte Zeit niemand z.B. einen Sturz mitbekommt. Da die allermeisten Menschen im Alter in ihrer vertrauten Wohnung bleiben möchten, ist also ein Umbau unumgänglich.

Verbesserungen bzgl. des Zugangs
Kleinere Höhenunterschiede können mit Rampensystemen ausgeglichen werden, so dass die Person mit Rollator oder Rollstuhl problemlos in die Wohnung oder das Haus kommt, für größere Treppen gibt es Liftsysteme. Weiterhin sind eine gute Ausleuchtung der Stufen sowie ein zweiter Handlauf von großem Vorteil.

Verbesserungen im Nassbereich
Die Dusche sollte ohne Schwelle zu betreten sein und einen rutschfesten Belag aufweisen. Montierte Griffe und ein Duschsitz geben auch hier noch mehr Sicherheit; für Badewannen gibt es Lifts, die beim ein- und aussteigen helfen. Neben der Toilette sollte ausreichend Platz sein, so dass diese auch mit Rollstuhl gut angefahren werden kann. Es empfiehlt sich überdies, eine Schiebetür einzubauen oder eine Tür, die sich nach außen öffnen lässt: oft passiert es sonst, dass nach einem Sturz der Körper der pflegebedürftigen Person den Zugang versperrt. Tiefer stehende Waschbecken mit Einhandmischhebeln runden die baulichen Möglichkeiten noch ab.

Verbesserungen in der Küche
Wichtig ist hier die gute Erreichbarkeit aller Utensilien. Töpfe und Tassen, die täglich benutzt werden, sollten nicht über Kopfhöhe lagern. Ideal sind ausziehbare Schubladen, die können auch von Personen im Rollstuhl noch gut erreicht werden. Ebenfalls eine große Erleichterung für Menschen im Rollstuhl sind vorspringende Arbeitsplatten, so dass man mit dem Rolli darunter fahren kann.

Verbesserungen im Wohnbereich
Oft stützen ältere Menschen sich ab – daher empfiehlt es sich, die Möbel fest in der Wand oder im Boden zu verankern. Fenstergriffe lassen sich verlängern, so dass sie auch vom Rollstuhl aus bedient werden können. Fenster und Türen sollten leichtgängig sein, wo möglich, sollte man Schiebetüren einbauen. Ggf. wird auch eine Verbreiterung nötig. Ein elektrisches Bett kann beim Aufstehen bzw. Hinlegen helfen, idealerweise ist es erhöht, das schafft zusätzliche Erleichterung.

Rechtliches und Förderungen
Wichtig: Echte Barrierefreiheit ist durch DIN-Normen geregelt und definiert und kann in der Bauordnung des jeweiligen Bundeslandes en Detail nachgelesen werden, Begriffe wie „barrierearm“ oder „barrierereduziert“ sind es jedoch nicht. In einer Mietwohnung muss der oder die Vermieter*in bei substantiellen Umbauten zustimmen – was sie in der Praxis allerdings gerne tun, denn dies birgt den Vorteil, dass die Immobilie durch fachgerechten Ausbau an Wert gewinnt. Bei Staat und Bund gibt es verschiedene Fördermittel für die Wohnraumanpassung, die in Anspruch genommen werden können, genauere Informationen erhalten Sie hierzu bei regionalen Wohnberatungsstellen.

Zum Schluss noch ein Tipp: es empfiehlt sich, lieber frühzeitig über Umbaumaßnahmen nachzudenken und diese sukzessive durchzuführen als erst im akuten Fall unter Zeitnot agieren zu müssen.

Quellen:

https://www.pflege.de/barrierefreies-wohnen/

http://nullbarriere.de/wohnungsanpassung-massnahmen.htm

http://www.baumodelle-bmfsfj.de/BMFSFJ_2009_LebenundWohnenfueralleLebensalter.pdf